Ich bin 1963 in einer kleinen Industriestadt vor den Toren von Dresden – in Freital geboren worden. Diese Stadt wurde in den Zwanzigern des vergangenen Jahrhunderts im Zuge des Industrieaufschwunges in Sachsen durch die Zusammenlegung von mindestens einem halben Dutzend Dörfer gegründet. Sie liegt im Tal der „Wilden Weißeritz“ rund 10 km vom Zentrum Dresdens entfernt, an den Ausläufern des Osterzgebirges.
Nach zehn Jahren Schule und einer Lehre zum Baufacharbeiter hatte ich mich irrsinniger Weise zu drei Jahren Armeedienst verpflichtet. Im Verlauf dieser traurigen und verlorenen Zeit kam ich aber mit Kameraden zusammen, die ab und an ein Pfeifchen zu schmauchen. So entdeckte ich das Pfeiferauchen für mich. Anschließend, Mitte der 80-ziger Jahre folgte dann ein dreijähriges Fachschulstudium zum Bauingenieur. Nach erfolgreichem Studienabschluss folgten kurze Zeit später die Wirrungen der „Wende“, die ich zur Auswanderung nach Köln nutzte. Mehr als vier Jahre habe ich an der schönen Stadt am Rhein gelebt und gearbeitet, bis es mich wieder im Frühjahr ´94 in die Heimat zog.
Im Jahr 2003 sah ich eine kurze Sendung über einen Pfeifenbauer namens Karl Joura. Interessant, dachte ich! Mit meinen bescheidenen Erfahrungen als Hobbydrechsler wollte ich es einfach einmal versuchen.
Anfangs dachte ich mit einer Drechselbank ist der halbe Krieg schon gewonnen. Die Arbeit mit dem Holz hat mich eines anderen belehrt. Die alte Drechselbank „Made in Eigenbau“ gibt es heute nicht mehr, ihr Motor treibt heute meinen Tellerschleifer an.
Aber der Anfang war gemacht. Ich habe mir Literatur besorgt, kaufte neue Maschinen, baute mir selbst Hilfsmittel usw. Das ganze aber schon über einen langen Zeitraum, um selbst rauszubekommen wie und mit was ich am besten arbeiten kann. Gleichzeitig hatte ich das Glück den Herrn Joura, Barbi und Former in Dänemark bei der Arbeit zusehen zu können. Interessante Gespräche hatte und habe ich mit Pfeifen-Wihlhelm und Wallenstein. Ein Kontakt mit Herrn Mummer ist auch zustande gekommen.
Irgendwann 2005 war der Gedanke gereift, Pfeifen mit Bogenbohrungen herzustellen. In Gesprächen mit Händlern war diese Problematik am Rande erwähnt worden. Meiner Erfahrung nach, ist es gut für den Rauchgenuss, den Rauch länger durch das Holz zu führen – ähnlich wie bei einer Canadian. Neue Gestaltungsmöglichkeiten würden sich auch erschließen. In Italien und Frankreich wurden in bescheidenen Rahmen derartige Pfeifen bereits mal hergestellt.
So fing ich an, mit Hilfe der Handwerkerschaft aus näherer Umgebung eine Technik zu erarbeiten. Ich habe mal gehört, das man spätestens nach dem siebenden Versuch für eine technische Problematik eine akzeptable Lösung hat. Vorausgesetzt man analysiert genau das Scheitern beim Versuch zuvor und bringt entsprechend Änderungen ein. Es war ein langer Weg zur Bogenbohrung - und kostspielig. Die Gerätschaft wurde jeweils stets individuell für mich gefertigt. Deshalb möchte ich meine Lösung gern für mich behalten.
Nun bin ich an dem Punkt angelangt, die Technik zu verfeinern und die Bogenbohrung gut zur Geltung zu bringen. Das Interesse der Pfeifenrauchergemeinde erwacht langsam und das erfüllt mich mit Freude.
Dorfhain, Februar 2009